25 CENT FÜR EIN GEBET


Religionsunterricht in einer Kleinstadt in Bayern, 1. Klasse des  Gymnasiums. Wie üblich soll zu Beginn der Stunde ein Schüler beten. Diesmal bin ich dran. Kaum fertig wirft mir der Religionslehrer  ein  50 Pfennigstück zu. Warum?

Zum  ersten Mal wurde in der Klasse ein Dankgebet gesprochen. Davor gab es nur Bitten an Gott.

Aber, ist ein Dankgebet  in jedem Fall besser?  Der Evangelist Lukas macht uns mit zwei Betern bekannt. Der eine dankt, der andere bittet nur.  Der Erste: " O Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die Übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner." (Lk 18, 11) Dieser Mann betet bei sich selbst, also eher ein Selbstgespräch als ein Anrufen des Allmächtigen.

Der Zweite spricht: "O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig" Er wagt nicht einmal zum Himmel aufzuschauen, sondern macht sich selbst Vorwürfe, er schlägt sich an die Brust. Darin gibt er dem ersten Recht, dass es eine Schande ist, so zu sein wie er ist - ein Zöllner , also ein geldliebender Betrüger. Und doch ging nur der zweite gerechtfertigt  in sein Haus.

Was ist mein Gebet wert?

Ist es ein theologisch korrektes Gebet garniert mit Bibelzitaten? Etwa so: " Herr Jesus, danke dass du dein kostbares Blut  für mich auf Golgatha… dein Erlösungswerk, deine Liebe und Gnade… danke für die ewige Erlösung…"

Oder wage ich ein Gebet aus dem Herzen wie der Zöllner:  "Herr, du verabscheust Sünde - und ich liebe sie! Es fällt mir schwer, meine Lieblingssünde zu bekennen und zu lassen - bitte hilf mir dabei!"

Wann soll ich damit anfangen?

Wenn ich allein bin, richtig Zeit und Ruhe habe? Wenn ich vermute, dass ich schon ein bisschen Kraft gesammelt habe, den Kampf gegen meine Sünde aufzunehmen, damit es nicht wieder schiefgeht? Wenn meine Motivation stimmt?

Gott hat immer Zeit zu hören ohne Beachtung bestimmter Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung.  Will ich da meine Zeit zum Beten durch äußere und innere Faktoren bestimmen lassen? Gott irgendwelche Minuten widmen, wo ich sonst nur Leerlauf oder Langeweile hätte?  Wäre es nicht viel besser, jetzt damit anzufangen und immer wieder dran zu bleiben - besser als den Kontakt zu Gott auf eine Zeit zu schieben und zu begrenzen, wo ich nichts Besseres oder Dringlicheres zu tun weiß?

Was für ein Privileg, dass wir immer zu unserem himmlischen Herrn kommen können, auch wenn mir  danach keine 50 Pfennige zufliegen!

Karl Strasser