FLÜCHTLINGE IN ATTENDORN - Zeit der Begegnung


Wie alles begann:    

Mitte September haben wir öffentlich in unserer Gemeinde alle Geschwister zum Nachdenken und Beten aufgerufen, wie wir als kleine Gemeinde im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag zur Flüchtlingshilfe leisten können. Im Überlegen und Beten haben uns dann die aktuellen Ereignisse förmlich überrollt. In denselben Tagen erfuhren wir aus den Medien, dass in Attendorn ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in der Rundsporthalle unter Leitung des Kreises Olpe eingerichtet werden soll. Die ersten Flüchtlinge waren für Freitag, den 18. September angekündigt worden. Doch erst am Dienstag, den 22. September trafen die ersten Busse mit Flüchtlingen ein.

Am Montag, den 21. September wurde gegenüber der Rundsporthalle eine Registrierungsstelle für freiwillige Helfer eingerichtet. Die Reaktion der Attendorner war groß. Auch wir haben uns als Gemeinde registrieren lassen, obwohl noch nicht klar war, wie wir uns beteiligen. Einige Geschwister, die bereit waren mitzumachen, kamen dann zu dem Entschluss, unsere Gemeinderäume zu nutzen und die Flüchtlinge einzuladen zu einem „Nachmittag der Begegnung“, um sie kennenzulernen und ihnen etwas von der Liebe Gottes weiterzugeben. Wie das konkret laufen könnte, wussten wir noch nicht.


Erster Kontakt:

Am Mittwochabend gingen einige Geschwister unserer Gemeinde mit einem Plakat, auf dem wir die Flüchtlinge ab 16:00 Uhr bei Kaffee, Tee und Gebäck zum Kennenlernen einluden, zur Rundsporthalle. Die verantwortlichen Mitarbeiter in der Rundsporthalle hatten ein offenes Ohr für unser Anliegen, so dass wir sogar persönlich mit den Flüchtlingen reden konnten. D., die sich mit den arabisch sprechenden Flüchtlingen verständigen konnte, erzählte ihnen was wir vorhaben. Etwa 90% der Flüchtlinge kamen aus Syrien. Vorwiegend waren es junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren. Das Verarbeiten der fremden Kultur, fremdes Essen und der Massenquartiere war sicherlich eine der schwierigsten Herausforderung für diese Menschen. Schnell wurde der Wunsch nach einer syrischen Mahlzeit laut, nach der sie sich nach den vielen Wochen der Flucht sehnten.

Was sollen wir nun tun, Herr Jesus? Das war unser Gebet. Nun waren auch wir mit einer großen Herausforderung konfrontiert. Ein syrisches Essen vorbereiten für eine unbestimmte Zahl Menschen. Wie viele würden wirklich kommen? 20, 30, 40, 50 oder mehr??? Dann besorgten wir Lebensmittel für 30–40 Personen. Ein Wagnis! Im Vertrauen auf unseren Gott, der die Umstände so geführt hatte, gingen wir an die Arbeit.

Schon am Donnerstagnachmitt ag wurde von H. und D. das Essen vorbereitet. Im Gemeinderaum wurden Tische und Stühle für 36 Personen gestellt, dekoriert, Tassen und Gläser bereitgestellt. Am Freitagnachmittag hatten wir nur wenig Zeit. Wer es einrichten konnte, kam um 15:00 Uhr, um noch die letzten Dinge zu erledigen. Um 15:45 Uhr gingen einige von uns zur Rundsporthalle, um die Flüchtlinge nochmal einzuladen und abzuholen. Nun kam der spannende Moment. Wie viele werden mitkommen? Wir staunten nicht schlecht, als wir uns um 16:15 Uhr Richtung Gemeinde aufmachten, dass immer mehr Flüchtlinge hinter uns herkamen. Die 36 vorbereiteten Plätze reichten nicht aus. Es wurden noch Tische und Stühle aus der Garage geholt, damit alle einen Platz bekamen. Wir waren alle sichtlich gerührt, dass so viele kamen.

Als ein wenig Ruhe eingekehrt war, begrüßten wir alle herzlich in unseren Gemeinderäumen. Niemand der Flüchtlinge sprach Deutsch. Wie sollten wir uns verständigen? Viele von ihnen sprachen Englisch, so dass wir versuchten, mit unseren wenigen Englischvokabeln ins Gespräch zu kommen.

Viele brachten ihre große Dankbarkeit zum Ausdruck. Einige erzählten von ihrer langen Flucht, andere zeigten Bilder von ihren Familien. Mache fragten uns auch warum wir das machen? Wir konnten ihnen dann erklären, dass wir das als einen Auftrag unseres Herrn Jesus sehen, der uns unendlich liebt und an den wir glauben. Alle Zweifel und alle Furcht waren in diesen Minuten verschwunden, als wir merkten, dass auch sie ganz normale Menschen sind, die sich über ein wenig Zuwendung freuen. Einige wünschten sich, ob wir ihnen nicht Deutsch beibringen könnten. Auch das Essen, das wir dann austeilten, wurde mit Dankbarkeit entgegen genommen. Leider wurden viele nicht satt, weil wir ja nicht mit so vielen gerechnet hatten. Ein Großteil unserer Gäste verließ schon gegen 18:00 Uhr unsere Räume, weil es dort in der Rundsporthalle Abendessen gab. Etwa 15–20 Flüchtlinge blieben noch, um Deutsch zu lernen. Sie waren sehr aufmerksam, um das ABC und die Zahlen zu lernen. Wenn es um die Aussprache ging, hatten viele Schwierigkeiten. Auch das mehrmalige Wiederholen lockerte die Atmosphäre, so dass wir auch herzlich miteinander lachen konnten. Aber der Eifer zum Lernen überwog bei ihnen. Um 21:00 Uhr verabschiedeten wir uns voneinander, nachdem einige der Flüchtlinge noch beim Aufräumen mitgeholfen hatten. Alle Mitarbeiter waren erleichtert und dankbar für diesen gelungenen Nachmittag und Abend.


Persönliche Kontakte:

Einen guten Kontakt hatten wir an diesem Nachmittag zu I. aus Syrien, ein 45- jähriger orthodoxer Christ aus Aleppo, bekommen. Er war auch sonntags im Gottesdienst und kam auch zum Donnerstagshauskreis. Er hat sich sehr wohl gefühlt unter uns. Auch M., ein Adventist aus Mazedonien, kam zweimal zum Gottesdienst und einmal zum Hauskreis. Manche sind uns in diesen Wochen ans Herz gewachsen.

Auch an den nächsten drei Freitagen öffneten wir unsere Gemeinderäume für die Flüchtlinge. Jeden Freitag kamen mehr. So dass wir fasst aus den Nähten platzten. Trotz der vielen Arbeit sind alle Mitarbeiter noch fröhlich dabei und sind dankbar für diesen Dienst, den wir mit unserem Herrn Jesus an diesen Menschen tun durften. Am 20. Oktober wurden alle Flüchtlinge in andere Quartiere in NRW weitergeleitet.


Nachbarschaftsarbeit:

Zwischenzeitlich hatten wir entschieden nicht mehr zu kochen, da das in unserer kleinen Küche sehr stressig war und die Flüchtlinge erst um 19:00 Uhr einzuladen. Am 29. Oktober gab es eine Info-Veranstaltung der Stadt Attendorn zum Thema „Flüchtlinge“. Hier erfuhren wir, dass in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, in der Briloner Straße, in einem angemieteten Haus der Stadt, dreißig Flüchtlinge untergebracht sind. Diese Flüchtlinge sind schon länger in Attendorn. Wir trafen bei unserem ersten Besuch eine Frau aus Bosnien, die mit ihren zwei Söhnen schon drei Jahre in Attendorn ist. Dann trafen wir zwei Männer aus Ägypten und aus Mali, sowie zwei Familien aus Albanien. Wir luden alle zu unseren „Flüchtlingstreffs am Freitagabend“ ein.


Die zweite Welle:

Zwei Wochen stand die Rundsporthalle dann leer, bis am 4. November eine neue Gruppe kam. Bei unserer Einladung gab es wieder den Wunsch der Flüchtlinge nach einem syrischen Essen, so dass wir schweren Herzens doch wieder kochen.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr hier.


Hans-Joachim Althaus