EIN STARKES GEBET


Apostelgeschichte 4,29: Und jetzt, Herr, sieh ihre Drohungen an und verleihe deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden,“


Seine Vorgeschichte

Johannes und Petrus waren auf dem Weg zum jüdischen Religionszentrum, dem damals noch vorhandenen Tempel in Jerusalem. In dessen unmittelbarer Nähe trafen sie auf einen gelähmten Mann, der am Boden saß und bettelte. Dann geschah Außergewöhnliches. Petrus fasste ihn an der Hand und stellte ihn auf die Füße. Sofort konnte der Gelähmte seine Beine bewegen und laufen.


Verständlich, dass die, die es mitbekamen, dort hin liefen, wo sich Johannes und Petrus aufhielten. Sie wollten die Männer sehen, die das Wunder bewirkt hatten. Wenige Stunden später saßen die beiden allerdings in Haft und warteten auf ihr Verhör. Die Hintergründe ihrer Wohltat an dem kranken Menschen sollten geklärt werden. Der Verlauf der Befragung brachte eine derartig intensive, religiös politische Brisanz zu Tage, dass Johannes und Petrus in ihrer Existenz bedroht waren.

In einer gemeinsamen Aktion hatten Kirche und Staat vor mehreren Wochen das Todesurteil an einem Mann vollstrecken lassen, dessen Anspruch und Lehre geeignet waren, die bestehende politische und religiöse Gesellschaftsordnung aus den Angeln zu heben. Wahrer Gott wollte er sein und rechtmäßiger Herrscher über Israel und die Nationen. Aufsehen hatte er erregt und Tausende um sich versammelt. Sein Tod sollte für ihn und seine Bewegung das Ende bedeuten. Johannes und Petrus erklärten jedoch, dass dieser Jesus von Nazareth von den Toten auferstanden sei, und durch seine Kraft der Gelähmte geheilt wurde.


Für die Vertreter des Hohen Rates war diese Aussage eine Anklage: Sie hatten als höchste jüdische Richter einen Unschuldigen töten lassen, waren mit dem Versuch, sich seinem Herrschaftsanspruch zu entziehen, gescheitert. Doch obwohl sie den lebendigen Beweis für das Zeugnis von Johannes und Petrus vor Augen hatten, reagierten sie uneinsichtig: „Aber damit es nicht weiter unter dem Volk ausgebreitet werde, lasst uns sie ernstlich bedrohen, dass sie nicht mehr in diesem Namen zu irgendeinem Menschen reden. Und als sie sie gerufen hatten, geboten sie ihnen, sich überhaupt nicht im Namen Jesu zu äußern noch zu lehren“ (Apg.4, 17-18). Mit dieser Strafandrohung wurde die Anhörung beendet. Kurze Zeit später formulierten Johannes und Petrus ein starkes Gebet.



Seine Besonderheit


Sie beteten es mit den „ihren“, gemeinsam mit anderen Anhängern Jesu. Sie beteten es „einmütig“, in großer Übereinstimmung ihres Denkens und Wollens. Sie beteten es mit Durchblick, mit zutreffender Beurteilung der Lage. Das war die Stärke ihres Gebetes. Jesus stand im Mittelpunkt. Das Eintreten für ihn und sein Recht. Die Proklamation seiner Herrschaft angesichts des globalen Aufstandes gegen ihn und seine Absichten. Sie waren in ihrem Gebet weit davon entfernt, sich um ihr eigenes Wohlergehen zu drehen. Es ging ihnen um die Fähigkeit, trotz der Anfeindungen „dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden“ (Apg.4, 29b), in ihrer Gesellschaft für die Realität Jesu und die Gültigkeit seiner Lehre einzutreten – und Gott erhörte ihr Gebet: „Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit“ (Apg.4 ,31b).

Die Kraft des Heiligen Geistes ist unverzichtbar, um beim Eintreten für Jesus und seine biblische Wahrheit nicht zu versagen. Einige Wochen vor meinem Rückflug nach Deutschland löste ein evangelischer Prediger einen Proteststurm in den peruanischen Medien aus. Er wurde abgebildet und mit der Aufforderung zitiert: „Wenn Sie zwei Frauen sehen, die Sex miteinander haben, dann tötet sie!“. Ein Skandal.

Der Staatsanwalt begann, wegen Diskriminierung und Anstiftung zum Mord zu ermitteln.

Ich las das Kleingedruckte unter der plakativen Überschrift. So wie es im fett gedruckten Titel dargestellt wurde, hatte er es nicht gesagt. Doch es schien niemanden zu interessieren. Tage später veröffentlichte der Prediger eine Stellungnahme. Ich hatte ihn früher bereits mehrmals gehört und erwartete eine biblisch begründete Erklärung, ein solides Zeugnis für Jesus und seine Lehre: nach göttlichem Recht steht auf Homosexualität sowohl bei Männern wie bei Frauen die Todesstrafe. Altes und Neues Testament belegen es. Das Neue Testament verschärft dieses Urteil, indem es auch den qualvollen ewigen Tod dafür ankündigt. Gottes Liebe besteht darin, dass er aktuell auch Homosexuellen durch Glauben an Jesus Christus Vergebung ihrer Sünde und Neuorientierung anbietet. Allerdings wird an dem, der dieses Angebot ablehnt, am kommenden Gerichtstag Gottes die angekündigte gerechte Strafe unweigerlich vollzogen.

Es kam anders. Sinngemäß schrieb er, dass zwar nach alttestamentlichem Zeugnis homosexuelle Praktiken unter Strafandrohung verboten waren, aber mit dem Erscheinen der Liebe Gottes in Jesus Christus zur neutestamentlichen Zeit, auch diese Art der sexuellen Orientierung tolerierbar ist und nicht mehr unter dem damaligen Urteil steht.

Er war eingeknickt, gescheitert, hatte dem öffentlichen Druck nachgegeben, die Wahrheit verleugnet. Wir alle stehen in der Gefahr unser eigenes Wohlergehen wichtiger zu nehmen als das Zeugnis für Jesus und seine Lehre.

Bei Johannes, Petrus und den übrigen von damals war das anders. Sie reagierten mit einem starken Gebet auf die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt waren, stellten ihre Treue zu Gott und seinem Wort an erste Stelle: „Und nun, Herr, sieh an ihre Drohungen und gib deinen Knechten, dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden“ (Apg.4, 29).

Gott erhörte ihr Gebet. Durch die Kraft seines Heiligen Geistes konnten sie es. Erfüllt mit IHM gelingt es auch uns.


Klaus Baldauf