Reisebericht Mongolei


Winter 2017

Die Mongolei ist ein Land der Extreme. Mit 3 Millionen Einwohnern auf einer Landesfläche, die 4,5-fach größer als Deutschland ist, ist die Mongolei der dünnst besiedeltste Staat der Erde. Direkt neben Sibirien gelegen bestimmt ein Kontinentalklima das Wetter der Hochebene der Mongolei und der Stadt Ulaanbaatar, die die kälteste Hauptstadt der Welt ist.

Nach 70 Jahren Kommunismus be-ginnt die jüngere Geschichte der christlichen Gemeinde in diesem zentralasiatischen Land in den frühen 1990er Jahren. Nach Zusammenbruch des Kommunismus brachten Missionare das Licht des Evangeliums in atheistisch, buddhistisch und shamanistisch geprägte Land. Die meisten Christen gehören zur ersten Generation der Gläubigen im Land und ihre Gemeinde zur ersten überhaupt in ihrem Dorf. So sind sie in der Finsternis ein helles Licht, dem aber auch widersprochen wird. Diese Gemeinden liegen uns am Herzen.

So besuchten Andreas Reh, Mitarbeiter der ZAM, der die Vorträge hielt, Sukhee, unser hauptamtlicher Mitarbeiter vor Ort, Irdentsesteg als Regionalmitarbeiterin für das Gebiet der Mittelgobi, Michael Meth ein junger Bruder aus Österreich und ich als Übersetzer und Mitorganisator die Gemeinden.

Wegen einer Viehseuche wurde das erste Treffen kurzfristig in ein Gebiet nahe der russischen Grenze verlegt. Nach einer nächtlichen Bahnfahrt lernten wir in der Stadt Sukhbaatar neue Geschwister aus unterschiedlichen Gemeinden kennen. Wir sind dankbar zu hören, dass sie bereits angefangen haben, anhand der Emmauskurse die Bibel zu studieren.

Danach fuhren wir mit dem Auto 360km Richtung Westen zur Stadt Har Horin, der ehemaligen Hauptstadt Chinggis Khans, in der eine Gemeinde besteht, zu der wir seit vielen Jahren in guter Verbindung stehen. Trotz anstehender Geburt ihres vierten Kindes hat das leitende Gemeindeehepaar uns fünf in ihr kleines, beschauliches Einzimmerhaus aufgenommen. An drei Seminartagen nahmen wir praktische Themen eines Emmauskurses über geistlichen Wachstum durch. Genau passend kam das Kind zwei Tage nach dem Seminar zur Welt.

Anschließend fuhren wir nach Tosontsengel, welches der Kältepunkt der Mongolei ist. Morgens zeigte das Thermometer -32 Grad an, doch gut, dass die Temperaturen tagsüber deutlich anstiegen. Vor Jahren durften wir eine Gemeinde kennenlernen, die von amerikanischen Geschwistern gegründet wurde. Ihre Gemeinde ist ein idealer Austragungsort für Regionalkonferenzen, da diese Gemeinde fest in Gottes Wort gegründet ist und für andere Gemeinden ein gutes Modell einer biblischen Gemeindestruktur aufzeigt.

Dankbar waren wir für die gute aufmerksame Beteiligung und die Zeugnisse der Teilnehmer. Ein Bruder, der bereits im Frühjahr 2017 an einem Emmausseminar teilgenommen hatte, gab am Ende der Konferenz ein Zeugnis, in dem er sagte, dass er beim letzten Male ein neugeborenes Lamm gewesen sei, jetzt ein einjähriges Schaf, aber später ein ausgewachsenes Schaf werde.

Er erzählte, dass er zum ersten Male mit Christen in Kontakt gekommen sei, die in sein Dorf als Missionare kamen. Diese Frauen wurden von den Dorfbewohnern feindlich behandelt. Man bewarf sie mit Steinen und hetzte bissige Hunde auf sie. Doch er wunderte sich, dass sie nicht aufgaben und trotz der widrigen Umstände im Dorf verblieben. Später wurde er zu einer christlichen Freizeit eingeladen, an der ein junges Mädchen unter Tränen für seine Errettung betete. Er wunderte sich wieder, dass ihr seine Seele so wertvoll war, dass sie unter Tränen für ihn beten konnte. Dabei, so sagte er, habe er so viele Sünden, dass, wolle man sie auf Papier bringen, ein Lastwagen dafür nicht reichen würde. Er habe sich das Stehlen so sehr angewöhnt, dass er, auch bei guten Freunden, den Drang in sich verspüre, zu stehlen. Doch Gottes Wort wirkte in ihm und führte ihn zur Umkehr. Er sei in eine dunkle Höhle gegangen und habe dort "vor Gott alles das gesagt, was man vor Menschen nicht sagen kann" und Buße getan. Er konnte nicht weinen, doch da flossen ihm die Tränen und ihm sei eine große Last vom Herzen abgefallen. Jetzt wolle er sein Heil sicher machen, indem er gute Taten vollbringe. Wir konnten ihm versichern, dass bereits Gottes Sohn alle Taten vollbracht hat, damit unser Heil sicher sei und ermutigten ihn, aus Dankbarkeit für seine Errettung gute Taten zu tun.

Eine andere Frau, eine Grundschulleiterin aus demselben Dorf, bedankte sich und sagte, dass sie dem Wort Gottes aufmerksam zuhörend jedes Wort der Verkündigung "durchgekaut" habe. Im seelsorgerlichen Gespräch bekannte sie ihre Sünde, die Gott ihr bewusst gemacht hatte.

Wir sind für die wachsende Offenheit der Gemeinden gegenüber der Bibel, dem Wort Gottes dankbar und ermutigt. Wir merken auch, dass das Interesse am Studium der Bibel sich vergrößert hat und mehr und mehr Gruppen beginnen, die Emmauskurse in Anspruch zu nehmen.


Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.  2. Tim. 3:16

Wie süß sind meinem Gaumen deine Worte, mehr als Honig meinem Mund!  Psalm 119:103


Gegen Ende unserer Reise luden wir zum ersten Male Geschwister aus weiten Teilen der Mongolei ein, die bereits viele Jahre mit uns verbunden sind und die Emmauskurse verwenden. Zu diesem Zwecke hatten wir ein Freizeitzentrum, ca.50 km nördlich von Ulaanbaatar gemietet. Unsere Hoffnung war, dass die Teilnehmer sich gegenseitig ermutigten und die Emmauskurse stärker Verbreitung finden. Wir merken bereits, dass Gemeinden intensiver mit den Kursen arbeiten und haben mit drei Gemeinden die nächsten Konferenzen Mitte 2018 geplant.

Dong Hwan