„EINER TRAGE DIE LAST DES ANDEREN, UND SO ERFÜLLT IHR DAS GESETZ DES CHRISTUS (GAL.6,2)


Liebe Geschwister,

gerade habe ich im ERF das Lied gehört, in dem es heißt: „Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst, und dass du mich bei meinem Namen nennst und mir vergibst.“

Dieses Lied hören und singen wir immer wieder gerne. Es erfüllt uns mit Freude und Frieden und gibt uns den Mut, immer wieder zu unserem Herrn zu gehen mit unserer Last und unserer Schuld. Unser Herr Jesus verdreht nicht die Augen, wenn wir wieder kommen mit unserer Schuld, weil er uns kennt, und er vergibt uns immer und immer wieder.

In den letzten Wochen habe ich mich mit dem Ausdruck „Gesetz des Christus“ im obigen Vers beschäftigt und mich gefragt, was ist das Gesetz Christus? Der Galaterbrief beschäftigt sich mit der Frage: Welche Bedeutung hat das Gesetz des Alten Testaments für uns Christen? Paulus macht deutlich, dass wir durch den Glauben an Christus mit Christus eins geworden sind und darum auch mit ihm gestorben sind. Wir sind durch Jesus Christus der das Gesetz erfüllt hat, dem Gesetz gestorben und damit hat das Gesetz keine Bedeutung mehr für uns, d. h. wir sind dem Gesetz nicht mehr verpflichtet.

Aber nun spricht Paulus wieder von einem Gesetz. Ein neues Gesetz, das es zu erfüllen gilt, das Gesetz des Christus. Und was ist nun das Gesetz des Christus? Nach welchem Gesetz hat der Herr Jesus gelebt? ER war der Herr und stand über allem, ER war Gott und keinem Gesetz unterworfen. Aber er erniedrigte sich selbst und wurde Mensch, von einer Frau geboren und unter das Gesetz getan, damit er uns von dem Gesetz erlöste. Was hat ihn dazu getrieben, IHN, der unter keinem Gesetz stand, sich dem Gesetz Gottes zu unterwerfen? Es war das Gesetz der Liebe! Seine bedingungslose Liebe! In einem Weihnachtslied singen wir: „Nichts, nichts hat dich getrieben, zu mir vom Himmelszelt, als das geliebte Lieben, wo mit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mensch kann aussagen, so fest umfangen hast.“ Er kam und nahm mir meine Last ab, die Last meiner Sünde, die Last meiner Eigenarten, die mir und anderen zu schaffen machen. Ja, er kennt mich ganz genau, wie kein anderer, er kennt mich besser, als ich mich selbst kenne. Und jetzt kommt das Großartige: Er liebt mich trotzdem!

Und nun fordert uns Paulus auf, die Lasten des anderen zu tragen, und so das Gesetz des Christus zu erfüllen. Vielleicht denken wir dabei an Lasten wie Krankheit, Sorgen um die Kinder, Sorgen um den oder an dem Arbeitsplatz oder der Verlust eines geliebten Menschen. Ja, das können schwere Lasten sein, und diese Lasten wollen wir tragen helfen! Aber Paulus spricht in dem vorangehenden Vers von einem Fehltritt, von einer Ungerechtigkeit, also von Sünde, in die jemand gefallen ist. Und da bittet er uns, einen solchen im Geist der Sanftmut zurecht zu bringen, indem wir uns bewusst sind, dass auch wir schwach sind und versucht werden. Ist es da nicht so, dass wir in unserem Leben die Last von ungeklärter Sünde kennen oder die Last unserer eigenen Eigenart oder Unart und von diesen Lasten oft niedergeschlagen und entmutigt sind? Wenn wir an dieser Stelle vor uns ehrlich werden und mit dieser Last zu unserem Herrn kommen und bei Ihm unsere Last loswerden, werden wir verstehen was es heißt: Einer trage die Last des andern, so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen. Dann wird es zu einem Anliegen, den Bruder oder die Schwester kennen zu lernen und zu erkennen, wo der Schuh drückt, welche Last den Bruder beschwert. Ja, es gibt viele Lasten, die wir mit uns herumschleppen und wie schön ist die Erfahrung, dass andere meine Lasten mittragen. Das stärkt und ermutigt uns, auch anderen zu helfen ihre Lasten zu tragen. Das kann im Zuhören und dann im gemeinsamen Gebet geschehen. Oder durch einen Besuch, einen Spaziergang, gemeinsame Unternehmungen in denen man sich näher kommt. Lasst uns Distanzen überwinden! Wenn wir an Weihnachten daran erinnert werden, dass der Herr Jesus eine für uns unüberbrückbare Distanz überwunden hat, dann können auch wir in seiner Liebe die „kleinen“ Distanzen zwischen uns überwinden!              (M. P.)