VERGEBEN UND VERGEBEN LASSEN


In verschiedenen Beiträgen der Männerfreizeit Anfang Januar wurden Aspekte der Vergebung angesprochen. Dies ist auch verständlich, denn Vergebung ist eine Grundlage der christlichen Überzeugung, ohne die die Beziehung zu Gott gar nicht möglich wäre.

Es lassen sich genügend Stellen in der Bibel finden, die uns zeigen, dass wir alle von der Sünde betroffen sind und nicht die Gerechtigkeit haben, die Gott würdig ist (vgl. Römer 3; 1. Johannes 1). Daher fällt es Christen oft nicht schwer, allgemein zuzugeben, dass sie Fehler haben, Sünder sind und Vergebung brauchen. Ebenso ist es meistens leicht, Schwächen zuzugeben, für die wir (vermeintlich) nichts können (z.B. „Ich kann halt nicht singen.“ oder „Ich bin halt unfähig zu putzen.“). Doch wie schwer fällt es uns, zu erkennen und einzugestehen, dass wir konkret Dinge falsch machen? Sind wir offen für die Kritik und Zurechtweisung von anderen Menschen und vor allem von Gott?

Und wie reagieren wir auf diese Zurechtweisung? Versuchen wir es, wie in einem Lied von den Casting Crowns beschrieben: „Lord, I know I let You down / But somehow, I will make You proud, / I'll turn this sinking ship around” (“All you’ve ever wanted” / “Herr, ich weiß, ich habe dich enttäuscht, / aber irgendwie werde ich dich stolz machen, / ich werde dieses sinkende Schiff herumreißen“)? Wenn ein Schiff sinkt, weil es beispielsweise am Meeresgrund aufgeschlitzt wurde, genügt es nicht, wieder aus der Untiefe herauszufahren. Unser Leben muss „Reparatur“ durch Gott erfahren (1.Korinther 1,28ff).

Dann ist es jedoch genauso unsinnig, sich an dem Fehler aufzureiben. Auf der einen Seite ist es sicherlich nützlich, sich Gedanken darüber zu machen, wie man den Fehler hätte verhindern können, um für die Zukunft zu lernen. Aber auf der anderen Seite sollten wir uns selbst nicht mehr für Dinge anklagen, die wir vor Gott gebracht haben, um Vergebung gebeten haben und die vergeben wurden. Auch wenn Geben tendenziell besser ist denn Nehmen, müssen wir uns gewisse Dinge auch schenken und bei manchem auch helfen lassen (Matthäus 16,21ff). Dann ist es wichtig, nach vorne zu schauen. Das, was man nicht ändern kann hinter sich lassen und das, was man ändern kann, in Angriff nehmen.

Eine Sache, die wir durch solch eine Erfahrung auf jeden Fall in Angriff nehmen sollten, ist das Vergeben. Durch das Bewusstsein unserer eigenen Vergebungsbedürftigkeit und der erlebten Gnade Gottes, werden wir selber fähig zu lieben (Lukas 7,36-50) und damit zu vergeben. Wir sind dazu aufgerufen, einander zu vergeben – indirekt im „Vater-Unser“ und direkt durch Anweisung Jesu (Matthäus 6 und Matthäus 18,15-35). Dies gilt als Aufforderung an diejenigen, an denen man gesündigt hat. Jedoch nicht als Entschuldigung für diejenigen, die sündigten. Sie können sich nicht sagen: „Ist nicht so schlimm. Der andere macht auch Fehler. Und er muss mir ja vergeben.“ Vergeben heißt auch, mich nicht mehr bewusst daran erinnern zu wollen.

Aber was tun, wenn ich nicht vergeben kann? Erstmal hilft zu klären, ob ich nicht vergeben kann oder nicht will. Dann denke ich, dass uns der Blick auf unser Leben, unsere Schuld und auf Gott, der uns diese Schuld vergibt, helfen kann. Dies sollten wir auch im Gebet vor ihm formulieren: „Herr, zeige mir, wer ich bin und wer du bist. Hilf mir zu vergeben und zu vergessen.“ Gott möchte helfen, aber Vergebung ist dennoch ein Auftrag, aus dem wir uns nicht durch angebliche Unfähigkeit herausreden können. Offenheit vor dem anderen kann der Situation sicherlich auch helfen: „Ich möchte dir vergeben, obwohl ich merke, dass es mir schwer fällt. Wenn ich es dir mal wieder vorhalte, erinnere mich bitte daran, dass ich dir vergeben möchte.“

Wenn wir konkrete Reife und Wachstum erreichen wollen, müssen wir auch konkrete Schritte dorthin unternehmen: Annahme von konkreter Zurechtweisung, aber auch in Durchführung von konkreten Plänen, der Entscheidung einander vergeben zu wollen und Vergebung für sich selber anzunehmen.


Niklas Hoffmann

GOTT
begegnen